Hugo vs. Wordpress


Das ist, glaube ich, mein dritter Versuch, mit einem persönlichen Blog zu starten. Mir gefällt die Idee, meine Gedanken niederzuschreiben und zu allen möglichen Themen etwas zu veröffentlichen. Allerdings bin ich bei allen Versuchen nicht über das Aufsetzen der Plattform - den technischen Teil - rausgekommen. Eigentlich sollte man ja einfach mit dem Schreiben anfangen, so zumindest die Theorie bzw. die Empfehlungen.
Hier also ein weiterer Versuch, mit meinem Blog zu starten. Diesmal habe ich mir aber anfänglich Gedanken über die ersten gescheiterten Versuche gemacht. Und ich denke, einer der Hauptschuldigen ist WordPress.
WordPress als Zeitfresser
Nicht falsch verstehen, WordPress ist eine geniale Plattform um Inhalte ins Web zu bringen. Eine riesige Community und Ökosystem zu Themes, Plugins, Trainings und Tutorials. Die meisten Webhoster bieten die Installation mit ein paar Klicks auf ihren Angeboten. Und WordPress ist für professionelle Websites, Firmenauftritte, Blogs mit mehreren Autoren usw. sicher eines der besten Content-Management-Systeme.
Das heißt aber nicht, dass es auch die ideale Plattform für meinen Usecase ist. Was ist dieser Usecase? Ich möchte einen einfachen Blog erstellen. Ohne grafischen Schnickschnack. Ohne tolle visuelle Effekte. Ich bin der einzige Autor. Ich schreibe in Google Docs oder Texteditoren, das Veröffentlichen soll schnell und reibungslos gehen.
D.h. viele der oben genannten Vorteile von WordPress brauche ich nicht. Die Vielzahl an Möglichkeiten seinen Blog zu stylen und zu tunen führte bei mir nur zu einem: Ich war nur damit beschäftigt, an meiner WordPress-Instanz herum zu basteln, anstatt zu schreiben.
Ein Beispiel zum Thema SEO: Brauche ich dafür ein Plugin? Aber logisch. Aber welches? Erstmal informieren, was es gibt und gut ist. Dann ausprobieren. Dazu erstmal drei Youtube Videos zu Installation und Einstellungen ansehen. Dann mit den Einstellungen rumspielen. Zack, eine Woche ins Land gegangen, der Blog immer noch nicht live.
Dann das Layout. Ein Theme installiert und versucht, damit der Wunschvorstellung nahe zu kommen (Customizing mit PHP ist nicht meins). Nach mehreren Stunden bemerkt, dass das Theme doch nicht so ideal ist, und auf die Suche nach einem anderen gemacht. Einige Stunden später eins gefunden und installiert. Dann wieder an den Einstellungen rumgespielt. Ach ja, so ein Blog braucht ja ein Backup. Dazu wieder Plugins recherchiert, installiert, eingestellt… usw.
Und so ging das ein paar Wochen weiter, bis ich die Lust verloren habe.
Static Site Generator als Alternative
Diesmal gehe ich einen anderen Weg. Static Site Generator nennt sich das Ganze. Ein Framework, das aus Markdown-Dateien simples HTML/CSS generiert. Im Webseitenbereich eher der minimalistische Ansatz, aber das ist genau das, was ich will. Kein stundenlanges Rumspielen mit dem System, sondern einmal aufsetzen und dann schreiben.
Ich habe mich für Hugo entschieden, hier ein paar der Vorteile:
Inhalte werden im Markdown erstellt und bearbeitet, d.h. meine Posts liegen immer im Textformat bei mir auf dem Rechner.
Der Content ist nicht in einem Datenbanksystem versteckt. Ich kann die Beiträge mit jedem beliebigen Texteditor schreiben, muss dazu nicht online oder irgendwo eingeloggt sein.
Das ganze ist schnell. Da die Seiten nicht dynamisch aufgebaut werden, sondern statisch als HTML auf dem Server liegen, ist das Ausliefern der Inhalte extrem rasant. Das mögen die Besucher und auch Google.
Das Framework bietet alle Funktionalitäten, die ich für meinen persönlichen Blog brauche. Einbinden von Kommentar-Systemen, Bildergalerien, Layoutvorlagen, etc. ist alles möglich. Aber - zumindest mit meine technischen Mitteln - auch nicht viel mehr. Aber das ist auch genau das, was ich benötige, tausende von Plugins für x Anwendungsmöglichkeiten waren ja in der Vergangenheit genau mein Problem.
Natürlich gibt es auch hier ein paar Nachteile:
Wesentlich kleinere Community als bei WordPress, man muss sich halt auch mal mit der Doku beschäftigen, da es nicht für alles einen Youtuber mit passendem Tutorial gibt.
Einschränkungen beim Angebot an Themes oder Plugins. Es gibt zwar realtiv viele vorgefertigte Themes, aber lange nicht die riesige Auswahl wie bei WordPress. D.h. man muss sich mit dem begnügen was es gibt.
Durchaus etwas Einarbeitungsaufwand bis man verstanden hat, wie das System funktioniert. Aber sobald man das geschnallt hat, ist das Aufsetzen und Verwalten einer Website mit “normalen” technischen Know-How mit wenig Aufwand verbunden.
Bis jetzt bin ich soweit ziemlich glücklich mit meiner Wahl von Hugo. Ich kann schnell schreiben und veröffentlichen, ohne viel Verwaltungsaufwand oder Prokrastinieren mit Plugins, Themes, etc.
Wie das Ganze langfristig funktioniert, muss sich zeigen, aber ich bin guter Dinge....
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Update: 2 Jahre später – Wo stehe ich heute?
Fast zwei Jahre sind vergangen, seit ich den obigen Text geschrieben habe. Und was soll ich sagen? Die Technik bleibt nicht stehen – und meine Arbeitsweise auch nicht.
Mittlerweile bin ich tatsächlich einen Schritt weitergezogen: Ich habe Hugo den Rücken gekehrt und nutze jetzt einen der modernen Website-Builder.
Warum der Wechsel? Hier sind meine Gründe:
Website Builder sind erwachsen geworden: Früher waren diese Systeme oft klobig, unflexibel oder sahen „billig“ aus. Das hat sich massiv geändert. Die Design-Qualität und die Flexibilität sind heute auf einem ganz anderen Level.
Die Layout-Grenze von Hugo: Hugo ist super für puren Text, aber sobald ich das Layout auch nur ein bisschen anpassen wollte, stieß ich an Grenzen. Es blieb trotz aller Einfachheit im Kern ein starres System, wenn man nicht tief in den Code eintauchen wollte.
Der visuelle Vorteil: Visuelle Editoren machen heute einfach einen besseren Job. Ich sehe sofort, wie das Ergebnis aussieht, und kann Elemente schieben, ohne eine einzige Zeile Markdown oder HTML zu biegen.
Mein Fazit heute: Hugo war genau der richtige Zwischenschritt, um mich vom Plugin-Wahnsinn bei WordPress zu befreien. Aber jetzt genieße ich die Freiheit eines visuellen Editors, der mir das Design abnimmt, damit ich mich trotzdem auf das Wesentliche konzentrieren kann: das Schreiben.
